Samstag, 28. Oktober 2017

Eine allgemeine Theorie des Vergessens von José Eduardo Agualusa

Eine außergewöhnliche Geschichte die mich jedoch nicht erreichen konnte

Die angolanische Revolution ist kurz vor ihrem Ausbruch, als Ludovica einen Einbrecher zu ihrem eigenen Schutz erschießt. Sie begräbt ihn auf der Dachterrasse und mauert sich anschließend in ihrer Hochhauswohnung in Luanda ein. Dort lebt sie dreißig Jahre lang, versorgt sich mit Gemüse, welches sie auf ihrer Dachterrasse anbaut, von gefangenen Tauben und einer kleinen Hühnerzucht. Auf den Wänden ihrer Wohnung schreibt Ludovica Tagebuch. Während sie ein einsames Leben führt, tobt um sie herum die Revolution mit allen ihren Schrecken, Opfern und Tätern…




„Eine allgemeine Theorie des Vergessens“ von José Eduardo Agualusa hat mich in erster Linie durch seinen ansprechenden Klappentext angesprochen, der eine skurrile, tragisch-komische und fantastische Geschichte verspricht. Ich war geschockt und fasziniert von dem Gedanken, wie jemand 30 Jahre lang völlig isoliert leben kann. 

Agualusa erzählt einleitend die Geschichte einer Frau, die sehr zurückhaltend, ja fast ängstlich durchs Leben geht. Sie zieht zu ihrer Schwester und deren Mann und lebt mit ihnen ein ruhiges Leben, bis die Revolution über sie hereinbricht. Schwester und Schwager fliehen und Ludo ist alleine in der großen Wohnung, nur der Hund leistet ihr Gesellschaft. Als sie aus Notwehr einen Einbrecher erschießt, mauert sie sich in ihrer Wohnung ein und lebt fortan in völliger Isolation.

Der Autor schreibt sprachlich absolut anspruchsvoll. Wer glaubt hier ein Buch „für Zwischendurch“ in den Händen zu halten, der täuscht sich. Wer gedanklich abschweift, wird Mühe haben, sich in dieser, von vielen Handlungssträngen durchzogenen Erzählung zurecht zu finden. 

José Eduardo Agualusa beschreibt aber nicht nur das einsame Leben Ludovicas, sondern schildert anschaulich und detailreich die Revolution und den aufkommenden Bürgerkrieg Angolas, lässt unterschiedliche Protagonisten zu Wort kommen und wechselt zwischen diversen Schauplätzen hin und her. 

Und genau hier lag für mich die Crux. Für diese komplexe, vielschichte und tiefgründige Geschichte hat dieses Buch eindeutig zu wenig Seiten. Irgendwann habe ich den Faden, den Zugang zu den Protagonisten und somit schlichtweg den Überblick über die einzelnen Handlungsstränge verloren. 



„Eine allgemeine Theorie des Vergessens“ von José Eudardo Agualusa ist eine anspruchsvolle, sprachlich erstklassige Geschichte, die den Leser voll und ganz fordert. Leider packt der Autor meiner Meinung nach zu viele, wenn auch interessante Handlungsstränge in das knapp 200 Seiten umfassende Buch.Ich hätte gerne mehr von all den kleinen Nebenschauplätzen und Protagonisten erfahren, sie besser kennengelernt, doch durch die Komplexität habe ich irgendwie das Interesse an der Erzählung und den Zugang, vor allem zu Ludo, verloren, von der ich bereitwillig noch mehr gelesen hätte. Schade, mich konnte das Buch nicht erreichen, deshalb kann ich nur bedingt eine Leseempfehlung aussprechen. 



Erscheinungsdatum Erstausgabe: 21.07.2017
Verlag: C.H.Beck
Fester Einband 200 Seiten
Sprache: Deutsch

Kommentare:

  1. ... und der Autor heißt nicht Juán, sondern José ;-)

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    1. ach herrje! Danke für die Info! Das muss ich gleich mal ändern! Peinlich!

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