Dienstag, 28. November 2017

HEX von Thomas Olde Heuvelt

Die Hexe geht um – zu wenig Horror und dürftige Spannung

Die Bewohner des beschaulichen Städtchens Black Spring tragen allesamt ein Geheimnis mit sich herum. In diesem Ort gibt es nicht nur Wälder und unberührte Natur, in Black Spring gibt es vor allem Katherine van Wyler, eine dreihundert Jahre alte Hexe. Mund und Augen zugenäht, der ausgezehrte, uralte Körper von Eisenketten umschlungen, so spaziert die Hexe durch den Ort und sorgt für Angst und Schrecken. 

Für die Menschen in Black Spring gelten strenge Regeln. Die Bewohner dürfen den Ort nur für kurze Zeit verlassen, es gibt kein Internet und Besuch von außerhalb ist nur eingeschränkt möglich. Niemand darf je von der Hexe erfahren, die Gefahr, dass Katherines Fluch die Stadt erschüttert ist zu groß. Denn sollte Katherine van Wyler jemals ihre Augen öffnen, wird dieser Tag Black Springs und all seine Bewohner ewige Verdammnis bringen.  Doch eines Tages haben die Teenager des Ortes die ewigen Einschränkungen und Regeln satt. Sie ahnen nicht, welche grausamen Mechanismen sie damit in Gang setzen werden…


Ich gebe es zu, „HEX“ von Thomas Olde Heuvelt hat mich aufgrund der vielen positiven Meinungen und Rezensionen neugierig gemacht und natürlich, weil der Klappentext nach Gänsehaut und Gruselmomenten klingt. Die Vorfreude auf einen richtig schönen Horror-Roman war groß, die Enttäuschung nach der Lektüre dann leider auch.

Die Geschichte des idyllischen Örtchens Black Springs und seiner 300 Jahre alten Hexe Kathrine van Wyler beginnt beschaulich und mit nicht zu leugnender Situationskomik. Die Hexe mit den zugenähten Augen und dem ebenso verschlossenen Mund, steht im Haus der Familie Grant und rasselt mit ihren Eisenketten. Weil keiner den Anblick ertragen kann und will, bekommt sie kurzerhand einen Spüllappen über den Kopf geworfen. Das Familienleben geht dabei ganz normal weiter, als wäre es das normalste der Welt, dass eine modernde Alte die Wohnungseinrichtung ergänzt. Für die Bewohner von Black Spring allerdings ist es tatsächlich normal, sie haben gelernt mit ihrer Hexe zu leben, mit all den Regeln und Einschränkungen, die damit automatisch einhergehen. Doch eben diese Konventionen sind es, die die Jugendlichen des Ortes nicht länger hinnehmen wollen, bis einer von ihnen eines Tages über das Ziel hinaus schießt und der Albtraum, vor dem sich alle immer gefürchtet haben, beginnt. 

Grundsätzlich hat Thomas Olde Heuvelt einen wirklich interessanten und ungewöhnlichen Plot kreiert, bei dem für mich leider die Spannung, vor allem aber der Horror eindeutig zu kurz kommen. Zwar gibt es immer wieder Szenen, die einem kurz den Atem anhalten lassen, meiner Meinung nach schafft es Heuvelt aber nicht, den aufkommenden Nervenkitzel zu halten und auszubauen. Zu viele langatmige Passagen machen dieses Gefühl stets wieder zunichte. Nichtsdestotrotz will man unbedingt wissen, wie es mit Black Spring, den dort lebenden Menschen und nicht zuletzt mit Katherine van Wyler weitergeht und was am Ende mit ihnen passieren wird. 

Die Bewohner von Black Spring sind sehr vielschichtig und facettenreich. Vom einflussreichen, fast schon diktatorischen Ratsherren, bis zum liebevollen Familienvater, jeder Charakter ist besonders und setzt die verschiedensten Gefühle beim Leser frei. Wut, Bedauern, Unverständnis sind nur einige davon.  Nicht zu vergessen Katherine van Wyler, die Hexe- Sie hat in mir weniger Angst und Grusel, als vielmehr Mitgefühl und Empathie ausgelöst. Manchmal habe ich mir tatsächlich gewünscht, sie möge sich endlich gegen all das wehren, was ihr widerfährt und in der Vergangenheit angetan wurde, denn letztlich haben sie Menschen, die früheren Bewohner von Black Spring, sie zu dem gemacht was sie heute ist.


„HEX“ von Thomas Olde Heuvelt hat meinen hohen Erwartungen nicht ganz standhalten können. Ich habe mich auf viel Horror und Gänsehautmomente gefreut, doch diese wenigen Szenen von Nervenkitzel und Grauen waren mir persönlich viel zu wenig.

Obwohl Heuvelt einen angenehmen Erzählstil hat, der Plot wirklich ungewöhnlich und abwechslungsreich daherkommt und die Tatsache, dass nervenaufreibende Extremsituationen die Abgründe der menschlichen Psyche ans Tageslicht bringen, bietet das Buch dennoch nicht das, was im Klappentext versprochen wird. Zitat von George R.R. Martin: „Der beste Horror-Roman, den ich seit langem gelesen habe!“. Ich frage mich ernsthaft, ob Herr Martin und ich das selbe Buch gelesen haben. Interessante Charaktere, Unterhaltung und solide Lektüre ja, Spannung und Horror eher nein, weswegen ich auch nur bedingt eine Leseempfehlung aussprechen kann.


Buchtitel: HEX

Verlag: Heyne
Erscheinungsdatum Erstausgabe: 16.10.2017
Flexibler Einband 432 Seiten
Sprache: Deutsch

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