Samstag, 11. November 2017

Drecksspiel von Martin Krist

Die Hauptstadt und ihre dunklen Seiten – Ein komplexer und temporeicher Thriller

Die Prostituierte Leyla wird tot aufgefunden, ihre Leiche aufs Brutalste zugerichtet. Jetzt hat ihr Freund, der drogenabhängige und in dunkle Machenschaften verstrickte Polizist Toni Risse ein Problem. Nur wenige Stunden zuvor hat Toni mit der jungen Prostituierten Schluss gemacht und nun soll er die Ermittlungen zu dem Fall übernehmen. 

Eine junge Mutter wird zusammen mit ihrem Baby in einer Waldhütte gefangen gehalten und brutal gefoltert. Wer steckt hinter dieser brutalen Entführung, haben die Schulden ihres Mannes Philipp etwas damit zu tun?

Der Privatermittler und ehemalige Polizist David Gross wird beauftragt, das Verschwinden eines Mädchens aufzudecken, die Tochter aus einer Politiker-Familie ist trotz hoher Lösegeldzahlung immer noch nicht zu Hause.

Gibt es eine Verbindung zwischen den Fällen oder sind es nur drei zufällige Schicksale, ausgespuckt aus der Anonymität einer Großstadt…?


„Drecksspiel“ von Martin Krist ist der erste Teil der Reihe um Privatermittler und „Problemlöser“ David Gross. Der Klappentext war es, der mich neugierig gemacht hat und der doch nur einen Bruchteil von dem verrät, was den Leser letztendlich erwartet. Martin Krist hat mich überrascht und mit seiner temporeichen Schreibweise regelrecht überfallen.

Schauplatz Berlin, eine bunte, lebendige und schöne Stadt, die leider auch dreckige und brutale Seiten vorzuweisen hat und genau diese beleuchtet Martin Krist in seinem Thriller. 

Der Einstieg in die Story ist mir aufgrund der vielen Personen und unterschiedlichen Handlungen erstmal nicht so leicht gefallen. Doch einmal angekommen, wird man von einem Sog erfasst, der einem bis zum Ende nicht mehr los lässt. Rasante Szenenwechsel und kurze, knackige Kapitel, die abwechselnd die einzelnen Handlungsstränge thematisieren, vermitteln absolute Höchstspannung. Die Story fordert höchste Konzentration, der Leser muss hier unbedingt am Ball bleiben, um dem Ausmaß der einzelnen Handlungen folgen zu können. 

Die Charaktere sind unterschiedlich stark ausgeprägt und beschrieben. Einige von ihnen, darunter natürlich der Problemlöser David Gross, werden stärker beleuchtet, andere hingegen bleiben blass und spielen eher eine schmückende Nebenrolle und dennoch sind alle irgendwie miteinander verwoben und verbunden. Hier war das Personenregister am Anfang des Buches immer wieder hilfreich.

Der Autor vermittelt zudem ein interessantes und atmosphärisches Bild von Berlin, fernab von Tourismus und Friede-Freude-Eierkuchen. Zusammen mit den Protagonisten habe ich diese pulsierende und lebendige, brutale und dreckige Stadt erlebt und gefühlt. 


Mit „Drecksspiel“ ist Martin Krist ein sehr komplexer, hochspannender, temporeicher und verzweigter Thriller gelungen, der dem Leser absolute Konzentration abverlangt. Die vielen Personen und unterschiedlichen Handlungsstränge sind anfangs verwirrend, laufen am Ende aber doch gekonnt in einem typischen roten Faden zusammen. Dennoch endet das Buch mit einem fiesen Cliffhanger, der Fragen offen lässt und definitiv Lust auf den zweiten Teil der Reihe macht.

„Drecksspiel“ ist nichts für schwache Nerven oder Zartbesaitete, der Autor geizt nicht mit derben Ausdrücken und brutalen Szenen. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung.


Buchtitel: Drecksspiel
Autor: Martin Krist

Erscheinungsdatum Erstausgabe: 11.10.2013
Flexibler Einband 400 Seiten
Sprache: Deutsch

Kommentare:

  1. Das Buch reizt mich auch, da sollte ich die absolute Leseempfehlung wohl annehmen. Aber wenn absolute Konzentration gefragt ist, weiß ich noch nicht so recht, wann ich es lesen sollte. Mein Interesse ist auf jeden Fall geweckt!

    Liebe Grüße,
    Nicole

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  2. Hallo Nicole, vielleicht findest Du ja bald mal ein paar ruhige Tage. Was ich mit Konzentration meine ist, dass man unbedingt dran bleiben sollte beim Lesen, sonst verliert man schnell den Überblick. Aber es lohnt sich!
    Liebe Grüße
    Kerstin

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    1. Mal schauen, wann es passt. "Böses Kind" reizt mich momentan um eine Spur mehr. Den Autor muss ich auf jeden Fall kennenlernen.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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