Sonntag, 23. Juli 2017

Kein Wille geschehe von Guido Kniesel

Packender Thriller und ein Spiel mit dem Schicksal und der Angst

In Berlin werden innerhalb weniger Tage die Leichen eines pensionierten Richters und eines Staatsanwaltes gefunden. Auf ihrer Stirn stehen die Worte „Amor Fati“ geschrieben. Die Polizei zieht den forensischen Psychiater Dr. Hendrik Jansen hinzu, der eigentlich mit seiner Familie in den wohlverdienten Urlaub möchte. Jansen schickt seine Frau Diana mit ihrem gemeinsamen Sohn Noah schon voraus nach Rügen, wo die beiden nie ankommen. Der Doktor muss bald feststellen, dass er selbst zur Zielscheibe eines Psychopathen geworden ist, dessen Hass weit in die Vergangenheit reicht…



„Kein Wille geschehe“ von Guido Kniesel ist ein in Berlin spielender Psychothriller und für mich die erste Begegnung mit dem mir bis dahin unbekannten Autor.

Kniesel hat einen packenden Plot konstruiert und mich mit einem lebendigen und spannenden Schreibstil überzeugt. Es beginnt mit einem Prolog, mit dem man zuerst nicht wirklich viel anzufangen weiß, es folgen die Leichen eines pensionierten Richters und eines Staatsanwaltes, die Stirn beschmiert mit den Worten „Amor Fati (Liebe zum Schicksal). Schließlich das Verschwinden der Frau und des Sohnes eines forensischen Psychiaters. Diese Szenen reihen sich zuerst scheinbar zusammenhanglos aneinander, der Autor versteht es aber, die losen Fäden am Ende zu einem gelungenen Strang zusammen laufen zu lassen. Die einzelnen Kapitel enden meist mit einem sogenannten Cliffhanger, welche für zusätzliche Dramatik und Gespanntheit sorgen. 

Guido Kniesel enthüllt sehr schnell die Identität des Mörders, was ich nicht als negativ empfand, im Gegenteil, es war faszinierend und erschreckend, Einblick in die Gedankenwelt des Täters zu erhalten und auch dessen Beweggründe zu kennen.

Ab und an lässt die Spannung etwas nach, vor allem dann, wenn die fast schon philosophischen Ausführungen über die Psyche des Mörders zu sehr in die Tiefe gehen, ganz besonders aber bei den detaillierten und speziellen fachlichen Erläuterungen aus dem IT-Bereich, hier habe ich schlichtweg einige Textpassagen überlesen, ich wollte einfach nur wissen, wie die Story weitergeht.

Die Ausarbeitung des Täter-Charakters ist dem Autor meiner Meinung nach hier gut gelungen. Obwohl er ein psychisch gestörter und absolut brutal agierender Mensch ist, kann man den Grund für seine Taten mit einer gewissen Distanz durchaus nachvollziehen. Der Täter hat in der Vergangenheit Schreckliches erleben und verarbeiten müssen, ein Ereignis, dass ihn zu einem kaputten Mann mit kranker Seele hat werden lassen. 
Auch Dr. Hendrik Jansen, der forensische Psychiater, hat mir als Charakter gut gefallen, alles an ihm wirkt echt und authentisch, ebenso habe ich das bei den vielen Nebenprotagonisten empfunden.

Lediglich die Polizei hat meines Erachtens in diesem Thriller so gar nicht stattgefunden. Die wenigen Szenen, die die Ermittlungen beschreiben, sind überlagert von einem äußerst unsympathisch dargestellten Kommissar und seinem unprofessionellen Auftreten.

Das Ende mit seinem kleinen Showdown, vor allem aber das Schicksal des forensischen Psychiaters, hat mich geschockt und überrascht.

„Kein Wille geschehe“ von Guido Kniesel ist ein gut konstruierter und spannend geschriebener Psychothriller mit kleinen Schwächen. Vor allem der Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele, die der Autor dem Leser hier gewährt, hat mir gut gefallen. Cliffhanger sorgen für die erforderliche gespannte Erwartung, ein atmosphärischer und bildhafter Schreibstil für die nötige Dramatik. Bis auf die wenigen Kleinigkeiten, die mir nicht so gefallen haben, ist dieser Thriller von Guido Kniesel absolut lesenswert und unterhaltsam.



Verlag: Edition M
Erscheinungsdatum Erstausgabe: 21.11.2014
Aktuelle Ausgabe: 04.07.2017
Flexibler Einband 318 Seiten
Sprache: Deutsch

Kommentare:

  1. Antworten
    1. Danke! Manchmal brauchts halt seine Zeit bis man mit seiner Rezi zufrieden ist.

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